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Der Weg zu einer Parkinson-Diagnose

Der Weg zu einer Parkinson-Diagnose

Die richtige Diagnose einer Parkinson-Krankheit (PK) zu bekommen, kann ein langer Prozess sein. Die PK ist eine fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, und es gibt keinen einzelnen Labortest, der eindeutig bestätigt, dass jemand Parkinson hat. Ärztinnen und Ärzte müssen daher die Symptome klinisch beurteilen. Besonders in den frühen Stadien sind die Anzeichen oft sehr subtil und werden nicht sofort als Parkinson erkannt. Viele Menschen mit sehr frühem Parkinson erfüllen die diagnostischen Kriterien noch nicht. Deshalb erleben viele Betroffene eine „prodromale Phase“ – eine Zeit, in der erste Symptome auftreten, oft viele Jahre bevor die typischen motorischen Beschwerden sichtbar werden.



Frühe Hinweise – die prodromale Phase


Forschungen zeigen, dass Parkinson lange vor Zittern oder Steifheit beginnt. Nicht-motorische Symptome können frühe Hinweise sein. Dazu gehören zum Beispiel ein Verlust des Geruchssinns, eine Schlafstörung, bei der Betroffene ihre Träume ausagieren (REM-Schlaf-Verhaltensstörung, RBD), lang andauernde Verstopfung sowie Stimmungsschwankungen wie Angst oder Depression. Diese Beschwerden können fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahre vor einer formellen Parkinson-Diagnose auftreten. Viele Menschen würden solche Probleme nicht mit Parkinson in Verbindung bringen, da Schlafprobleme oder Verstopfung häufig auch andere Ursachen haben. Dennoch bestätigen Studien, dass solche Symptome, besonders wenn mehrere zusammen auftreten, frühe Anzeichen für Parkinson sein können. So wurde zum Beispiel gezeigt, dass ein Verlust des Geruchssinns mehr als 20 Jahre vor einer Diagnose auftreten kann. Auch Schlafstörungen, subtile Veränderungen des autonomen Nervensystems sowie frühe Stimmungssymptome können Jahrzehnte vorher beginnen. Diese Muster zu erkennen ist wichtig, da sie die prodromale Phase beschreiben – eine Phase, in der der Krankheitsprozess bereits begonnen hat, obwohl sich die klassischen motorischen Symptome noch nicht vollständig entwickelt haben.

Es ist allerdings auch wichtig zu betonen, dass Symptome in dieser prodromalen Phase nicht zwangsläufig zu einer Parkinson-Erkrankung führen. Nur ein kleiner Teil der Menschen mit solchen frühen Beschwerden entwickelt später tatsächlich Parkinson.



Wenn motorische Symptome auftreten


Im Laufe der Zeit zeigt sich Parkinson schließlich durch motorische Symptome, also durch Beschwerden, die die Bewegung betreffen. Dazu gehören Zittern, Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinesie),Muskelsteifheit (Rigor) und Probleme mit dem Gleichgewicht. Heute kann eine Parkinson-Diagnose gestellt werden, wenn eine Verlangsamung der Bewegungen zusammen mit mindestens einem weiteren motorischen Zeichen wie Zittern oder Steifheit vorliegt. Studien zeigen, dass diese motorischen Symptome erst deutlich werden, wenn bereits rund 40 bis 50 Prozent der Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn verloren gegangen sind. Das bedeutet, dass die Erkrankung oft schon viele Jahre im Hintergrund fortschreitet, bevor man die Diagnosekriterien erfüllt.


Viele Betroffene bemerken zum Beispiel ein leichtes Zittern oder dass ihre Handschrift kleiner wird (Mikrografie), lange bevor sie eine Diagnose erhalten. Forschende haben festgestellt, dass solche frühen motorischen Symptome bis zu zehn Jahre vor einer endgültigen Diagnose auftreten können. Häufig werden diese ersten Veränderungen zunächst dem Älterwerden oder harmloseren Ursachen zugeschrieben.


Weil die frühen Anzeichen so unspezifisch sind und es keinen eindeutigen Test gibt, kommt es nicht selten zu einer verzögerten Diagnose. Betroffene suchen oft über Jahre hinweg ärztliche Hilfe wegen Beschwerden wie Müdigkeit, Steifheit oder leichtem Zittern, bevor Parkinson richtig erkannt wird. Manche erhalten am Anfang sogar eine falsche Diagnose, etwa einen essenziellen Tremor oder Beschwerden des Bewegungsapparates, bevor sich Parkinson klar zeigt.



Der Weg zur Bestätigung


Letztlich wird eine Parkinson-Diagnose durch eine Neurologin oder einen Neurologen gestellt, die oder der die typischen Symptome beobachtet und andere Erkrankungen ausschließt. Dafür wird eine ausführliche Krankengeschichte erhoben – einschließlich möglicher früher nicht-motorischer Symptome – und eine neurologische Untersuchung durchgeführt. In einigen Fällen wird ein DaTscan, eine spezielle Untersuchung des Gehirns, eingesetzt, um die Diagnose zu unterstützen und andere Erkrankungen auszuschließen. Dennoch gibt es bis heute keinen einzelnen Test, der Parkinson eindeutig bestätigt. Die Diagnose entsteht durch die klinische Beurteilung und entwickelt sich oft im Laufe der Zeit, wenn die Symptome klarer werden.

Der Weg zu einer Diagnose kann für Betroffene und ihre Familien sowohl emotional als auch körperlich belastend sein. Viele empfinden eine Mischung aus Erleichterung und Angst, wenn die Diagnose schließlich gestellt wird – Erleichterung, weil es nun eine Erklärung für die vielen Beschwerden gibt, und Angst vor dem, was Parkinson für die Zukunft bedeutet. Rückblickend hilft die prodromale Phase oft dabei, frühere gesundheitliche Veränderungen besser zu verstehen, etwa warum jemand vor Jahren den Geruchssinn verloren hat.


Eine frühe Erkennung kann eine wichtige Rolle spielen. Sie ermöglicht früheren Zugang zu Therapien und Maßnahmen, die den Alltag verbessern oder den Krankheitsverlauf möglicherweise verlangsamen könnten, obwohl dies zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich ist. Fachleute erforschen intensiv neue Wege, Parkinson schneller zu erkennen. Laufende Studien untersuchen Kombinationen aus frühen Symptomen und Biomarkern, zum Beispiel aus der Bildgebung, genetischen Analysen oder Laborwerten aus Blut oder Nervenwasser. Die Hoffnung ist, eines Tages Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben – etwa Personen mit REM-Schlaf-Verhaltensstörung und Riechverlust – deutlich früher zu identifizieren und möglicherweise vorbeugende Behandlungen zu beginnen, bevor größere Nervenschäden entstehen.


Der Weg zu einer Parkinson-Diagnose beginnt oft viele Jahre, bevor der Begriff „Parkinson“ überhaupt fällt. Prodromale Symptome bilden den Anfang, gefolgt von motorischen Beschwerden, die schließlich zur Diagnose führen. Ein besseres Verständnis dieses Prozesses – sowohl für Betroffene als auch für Ärztinnen und Ärzte – kann helfen, die Erkrankung früher zu erkennen. Eine frühere Diagnose bedeutet oft früheren Zugang zu Behandlung, Wissen und Unterstützung und ermöglicht einen möglichst aktiven Umgang mit der Erkrankung.

 

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